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  • Die exklusiven Feuerstellen werden ganz auf das Wohnumfeld und die individuellen Bedürfnisse der Käufer zugeschnitten. (Ofendesign Rogmans)

    Die exklusiven Feuerstellen werden ganz auf das Wohnumfeld und die individuellen Bedürfnisse der Käufer zugeschnitten. (Ofendesign Rogmans)

  • In seiner Mainzer Manufaktur fertigt der Lichttechniker Thorsten Stock außergewöhnliche Leuchten und Lichtobjekte mit individuellem Charakter. (www.betoncube.de)

    In seiner Mainzer Manufaktur fertigt der Lichttechniker Thorsten Stock außergewöhnliche Leuchten und Lichtobjekte mit individuellem Charakter. (www.betoncube.de)

  • Foto: www.beton.org

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  • Das italienische Studio Digital Habit(s) präsentiert den Bluetooth-Betonlautsprecher Paco mit Gestensteuerung. (Digital Habit(s))

    Das italienische Studio Digital Habit(s) präsentiert den Bluetooth-Betonlautsprecher Paco mit Gestensteuerung. (Digital Habit(s))

  • Foto: www.beton.org

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  • Die Firma WertWerke aus Berlin hat eine Serie unterschiedlicher Waschbeckentypen in edel-puristischer Aufmachung entworfen. (WertWerke)

    Die Firma WertWerke aus Berlin hat eine Serie unterschiedlicher Waschbeckentypen in edel-puristischer Aufmachung entworfen. (WertWerke)

  • Treppenstufen aus Sichtbeton sind nicht nur ein funktionelles Element, sie bestechen darüber hinaus durch Geradlinigkeit und makellose Oberflächen. (ROOM Stone)

    Treppenstufen aus Sichtbeton sind nicht nur ein funktionelles Element, sie bestechen darüber hinaus durch Geradlinigkeit und makellose Oberflächen. (ROOM Stone)

  • Im Manufakturbetrieb produziert die amerikanische Firma Hard-Goods aufsehenerregende Arbeitsplattem, Tische und Sitzmöbel aus dünnwandigen Betonflächen. (Hard-Goods)

    Im Manufakturbetrieb produziert die amerikanische Firma Hard-Goods aufsehenerregende Arbeitsplattem, Tische und Sitzmöbel aus dünnwandigen Betonflächen. (Hard-Goods)

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Von wegen graue Tristesse: Der Stoff, aus dem die Plattenbauten entstanden, mausert sich zum Liebling der Design-Avantgarde.

Be­ton­wüste, Be­ton­k­lotz, Be­tonkopf – Wort­ge­bilde, die den meistverar­beit­eten Baustoff der Welt bein­hal­ten, sind meist neg­a­tiv as­soziiert. Be­ton ste­ht für zweck­mäßiges, sach­lich-küh­les Bauen ohne großen äs­thetischen An­spruch. Ro­bust ja, aber schön? Weniger. Doch ge­nauer be­se­hen ent­s­tan­den schon in der An­tike beein­druck­ende Bauw­erke aus einem Bruch­stein-Mör­tel-Gemisch, quasi der früh­esten Variante des Be­tons, den wir heute ken­nen. Sch­ließlich er­möglichte der kün­stliche Stein die Her­stel­lung ex­trem sta­bil­er Bauteile, so dass im­posante Tem­pel, Am­phithe­ater, Ther­men oder Brück­en ge­fertigt wer­den kon­n­ten. Darüber hi­naus ent­s­tan­den auch Wohn­häus­er aus „Römischem Be­ton“, der so­wohl op­tisch als auch funk­tionell nicht al­lzu weit von unserem heute ge­bräuch­lichen Baustoff ent­fer­nt ist. Ohne ihn hät­ten es Men­schen auf aller Welt entschie­den sch­w­er­er ge­habt, sich selbst und ihre Hab­seligkeit­en möglichst langfristig ge­gen aller­lei Ein­wirkun­gen von außen zu schützen.

Heute sind die An­sprüche freilich gewach­sen: Die vi­er Wände sollen nicht nur Wind, Wet­ter und Ein­drin­glinge fern­hal­ten, son­dern auch das ei­gene äs­thetisch­es Empfin­d­en an­sprechen, ein an­genehmes Wohn­k­li­ma gewähr­leis­ten und möglichst im Ein­k­lang mit der Na­tur er­baut und be­woh­nt wer­den kön­nen. Wün­sche, die sich mit dem Baustoff Be­ton vermeintlich nicht er­füllen ließen, wurde er doch in den let­zten zwei Jahrzeh­n­ten vor­wie­gend mit Sie­bziger-Jahre-Bausün­den und grauen Sozial­bausied­lun­gen ver­bun­den. Dass diese ab 1960 über­haupt so ras­ant aus dem Bo­den schießen kon­n­ten, ist ein­er tech­nischen Fi­nesse geschuldet: Durch das Vors­pan­nen von Stählen verbesserten sich die kon­struk­tiv­en Ei­gen­schaften der grauen Masse de­rart, dass for­t­an auch sch­lanke Teile mit großen Span­n­weit­en ge­fertigt und ve­rar­beit­et wer­den kon­n­ten. Es ent­s­tan­den spek­takuläre Baut­en wie die von Max Berg ent­wor­fene Jahrhun­derthalle mit der da­mals größten freisch­weben­den Kup­pel der Welt – aber eben später auch häss­liche Plat­ten­baut­en und viele öf­fentliche Ge­bäude, die in Sachen Äs­thetik zu wün­schen übrig ließen. Was sich erst später her­ausstellen sollte, war die An­fäl­ligkeit für Schä­den: Tech­nische Probleme führten rei­hen­weise zu bröck­el­nde Fas­sa­den und statischen Risiken, die durch man­gel­hafte Spann­stäh­le ent­s­tan­den.

So war im pri­vat­en Wohn­bau der be­wusste Ein­satz von Be­ton und Sicht­be­ton eher die Aus­nahme. Wenn er schon einge­set­zt wer­den musste, et­wa aus statischen Grün­den, wurde er meist ver­putzt oder an­der­weitig verk­lei­det. Zu­min­d­est bis vor kurzem. Denn vor allem Men­schen, deren Woh­näs­thetik nicht dem Mas­sen­gesch­mack ent­spricht, ent­deck­en nun die graue Maus un­ter den Baustof­fen für sich. Das Zeug, aus dem Zweck- und Sozial­baut­en ent­s­tan­den, lässt heute die Herzen der Wohn-Avant­garde höher sch­la­gen, während Ar­chitek­ten ein Loblied auf den Min­i­mal­is­mus sin­gen und mit dem einst gesch­mäht­en Baustoff ihre ganz ei­gene Vi­sion von Äs­thetik re­al­isieren. Be­ton ist al­so wied­er auf dem Vor­marsch – die­s­es Mal als De­sign-Trend des 21. Jahrhun­derts.


Ein Stoff mit vielen Ei­gen­schaften

Tech­nol­o­gischen In­no­va­tio­nen sei Dank muss man sich heute keine Sor­gen mehr um die Halt­barkeit eines Be­ton­baus machen. Ein­fall­s­reiche Fachin­ge­nieure haben ihn in Forschungs­la­boren längst op­ti­miert – und en­twick­eln ihn mit im­mer besseren hoch­festen Fasern und so­ge­nan­n­ten Zusch­lagstof­fen im­mer noch weit­er. Durch das Beimischen von mod­er­nen High-Tech-Ma­te­rialien wer­den seine Ei­gen­schaften ständig verbessert, die Ein­satzmöglichkeit­en de­ment­sprechend breit­er.

Die Rezep­tur des klas­sischen Be­tons beste­ht aus einem Gemisch von Ze­ment, Wass­er und Gestein­skör­nun­gen. Durch die Zu­gabe des Wassers bil­den die Min­er­alien im Ze­ment feine Kris­talle, die wach­sen, sich ge­gen­seitig durch­drin­gen und sch­ließlich ei­nen fes­ten Zusam­men­halt bil­den. Durch das Hinzufü­gen von Zusatzmit­teln, Zusatzstof­fen und Luft sind eine Fülle von neuen Vari­a­tio­nen ent­s­tan­den: vom Leicht­be­ton über selb­streini­gen­den Be­ton bis zum ul­tra­hoch­festen Be­ton (UHFB), der so sta­bil wie Stahl ist und über­all dort ver­wen­det wird, wo ho­he Be­last­barkeit­en und feine Struk­turen ge­fordert sind. Selb­stverdich­t­en­der Be­ton entlüftet allein durch die Sch­w­erkraft, während säur­ere­sis­ten­ter Be­ton un­ter an­derem für Kühltürme, Bio­gasan­la­gen oder Ab­wasser­sys­teme ver­wen­det wird. In­zwischen ist die Forschung so weit, dass Festigkeit und Aushär­tung na­hezu be­lie­big eingestellt wer­den kön­nen. So kann Be­ton sehr flex­i­bel auf sei­nen jew­eili­gen Ver­wen­dungszweck hin getrimmt wer­den. Ob be­son­ders sch­w­er oder leicht, wärmedäm­mend, feuer­fest oder druck­sta­bil.


Von durch­sichtig bis trans­luzent

Was Be­ton für Ar­chitek­ten und Bauher­ren so in­teres­sant macht, ist seine freie Form­barkeit, die auch sehr in­di­vi­du­elle Bau­vorhaben zulässt. Ob ger­adlinig oder ver­winkelt, rund, gesch­wun­gen oder torten­stück­för­mig sind der Viel­falt kaum Grenzen ge­set­zt. Wer am lieb­sten alles auf ein­mal haben möchte, ist mit Be­ton eben­falls gut be­r­at­en – in Häusern mit ver­schie­de­nen Ebe­nen kann the­o­retisch jede Etage eine ei­gene Form er­hal­ten. Das Ergeb­nis kann dann vie­les sein, lang­weilig dürfte es allerd­ings kaum aus­fall­en.

Die op­tische Wirkung der be­tonierten Außen­fläche hängt dabei im­mer von der Schalung ab, in die das Ma­te­rial ge­füllt wird. Auch hi­er zeigt der Baustoff viele Facet­ten von ganz glatt über rau, mit sicht­bar­er Struk­tur der Holz­maserung oder vorgegebe­nen Mustern. Und von we­gen graue Tristesse: Durch natür­liche Zusch­lagstoffe und Farbpig­mente ist das Ein­fär­ben von Be­ton mittler­weile kein Problem mehr. Eine recht spek­takuläre Variante ist der durch­sichtige Be­ton, der bish­er allerd­ings vor­wie­gend in Vorzeige-Ar­chitek­tur, Clubs und Hotel­lob­bys zu bes­tau­nen war. Außer­dem sorgte eine trans­luzente Ver­sion des wied­er­ent­deck­ten Stoffs für Auf­se­hen: Licht­be­ton kon­nte Ar­chitek­ten, De­sign­er und Bauher­ren auf der ganzen Welt begeis­tern. Mit eingear­beit­eten lichtlei­t­en­den Fasern tran­s­portiert er natür­lich­es oder kün­stlich­es Licht durch Bauteile in be­lie­biger Dicke. An Fas­sa­den, Wän­den oder Bö­den ange­bracht, leucht­en El­e­mente aus Licht­be­ton dann quasi von in­nen – und brin­gen so ganze Räume zum Strahlen.

Nicht zulet­zt ist das Woh­nen in Be­ton auch de­shalb kom­fort­a­bel, weil er dank sein­er ho­hen Ro­hdichte Lärm ent­ge­gen­wirkt und als guter Wärme­speich­er dafür sorgt, dass sich die Raum­luft im Som­mer nur mod­er­at er­wärmt bezie­hungsweise im Win­ter abkühlt. Die Dämmwirkung von Be­ton ist hinge­gen eher ger­ing, was zu einem Punktabzug in Sachen En­ergie­ef­fizienz führt. Was die Nach­haltigkeit ange­ht, sch­nei­det er mit sei­nen vielen natür­lichen Roh­stof­fen wie Wass­er, Sand und Kies recht gut ab, da sie lokal auf kurzen Tran­s­portwe­gen beschafft wer­den kön­nen. Zu­dem greifen viele Be­ton­w­erke in der Her­stel­lung auf Sekundär­roh­stoffe aus dem Re­cy­cling zurück. Allerd­ings wird bei der Her­stel­lung von Be­ton Koh­len­dioxid freige­set­zt, das beim Bren­nen von Kalk­stein zu Ze­ment ent­ste­ht.

Und nicht zu vergessen: Be­ton­wände sind ver­dammt hart – wer mal eben ei­nen Nagel hinein hauen will, scheit­ert un­weiger­lich und wird wohl oder übel zur Bohr­mas­chine greifen müssen. Eine gute Pla­nung ist ger­ade beim Bauen mit der grauen Masse Gold wert. Mal eben im Nach­hinein noch eine Steck­dose ver­le­gen? Bess­er nicht!

Der küh­le Ruhige

Eine gewisse Ro­h­heit mag den meis­ten Wohn­häusern aus Be­ton zuei­gen sein. Ob man die­sen Stil im In­neren des Haus­es fort­set­zt oder in­teres­sante Kon­traste ent­ste­hen lässt, in­dem man auf Be­haglichkeit in­mit­ten be­toniert­er Strenge set­zt, bleibt dem Be­woh­n­er über­lassen. Dank sein­er ruhi­gen, oft fast na­turstei­narti­gen Op­tik ist Be­ton je­doch auch im In­nen­bereich auf dem Vor­marsch. Ob Ar­beits- oder Tisch­plat­ten, Bad­mö­bel oder deko­ra­tive Ob­jekte – In­ne­nar­chitek­ten und De­sign­er beschreit­en mit Sinn für Stil und viel Krea­tiv­ität neue Wege. Wer Be­ton mit Holz und schö­nen Stof­fen zusam­men­bringt, kann ohne weit­eres ein ur­ban-be­haglich­es Woh­num­feld kreieren. Ver­siegelte Ober­flächen aus Be­ton haben eine gute Hap­tik und wirken zuweilen fast wie Mar­mor.


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